Du hast es in der Hand!

Er studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der HNU, schreibt momentan seine Bachelorarbeit und hat Anfang 2018 das Start-up Fairbrush gegründet. Inhaber Enrico Barardone ist 24 Jahre alt und möchte mit seinen Bambuszahnbürsten die Welt verändern. Seine Idee: Für jede verkaufte Fairbrush-Zahnbürste wird eine Fairbrush-Zahnbürste an bedürftige Kinder gespendet. Zusätzlich werden die Kinder mit Hilfe von Schulungen über die Bedeutung von Mundhygiene und Umweltschutz aufgeklärt. Wie er das alles mit seinem Studium unter einen Hut bringt, lest ihr in diesem Interview. Ein Gespräch über Motivation, Stolz und Nachhaltigkeit.

Enrico Berardone [24] mit den Mitarbeiterinnen Lilly Meyer und Paula Gressmann von HNU Move beim Interview.
Die Fairbrush-Zahnbürste aus Bambus.

Du schreibst momentan deine Bachelorarbeit an der HNU. Über was für ein Thema schreibst du?
Meine Bachelorarbeit schreibe ich über mein Start-up Fairbrush, welches ich Anfang des Jahres gegründet habe. Es geht darum, wie man ein Geschäftsmodell zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell transferiert und somit alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit berücksichtigt. Das heißt, dass man nicht nur auf ökonomische Themen achtet, sondern auch auf soziale und ökologische.

Welche langfristigen Ziele verfolgst du mit deinem Start-up „Fairbrush“?
Das Geschäftsmodell ist bewusst auf den drei Säulen der Nachhaltigkeit aufgebaut. Alleine in Deutschland werden jeden Tag über eine halbe Million Plastik-Zahnbürsten weggeworfen. Das sind täglich Unmengen an vermeidbarem Müll. Deswegen sind die Zahnbürsten von Fairbrush aus Bambus, anders als herkömmliche Zahnbürsten. Neben dem ökologischen Produkt an sich, verfolgen wir einen sozialen Ansatz: Für jede verkaufte Zahnbürste spendet Fairbrush eine Zahnbürste an Kinder der Dritten Welt. Zusätzlich werden die Kinder von uns über die Wichtigkeit von Mundhygiene und Umweltschutz aufgeklärt.

Was war deine Motivation für die Gründung von Fairbrush?
Der Hauptauslöser, war eine Strategievorlesung innerhalb des 6ten Semesters meines Studiums. In dieser Vorlesung wurde die Thematik Nachhaltigkeit behandelt. So stellte unser Professor auch mehrere nachhaltige Geschäftsmodelle vor. Da habe ich mir gedacht, warum gibt es denn nicht mehr solche Unternehmen, ist doch eigentlich voll genial. Ein Unternehmen, das Geld verdient, aber gleichzeitig einen Mehrwert für die komplette Gesellschaft schafft. Dann habe ich mir überlegt, was ich als Student machen kann und dann sind mir die Zahnbürsten eingefallen. Diese sind leicht, klein und nicht teuer. Ich habe mit verschiedenen Leuten über meine Idee geredet, die fanden die Idee super und dann habe ich mir überlegt, wie ich das mache.

Wie ging es dann weiter?
Nachdem ich die Idee hatte, war ich für ein Auslandssemester in Finnland. Glücklicherweise waren alle Fächer sehr hilfreich für die Gründung von Fairbrush. Beispielsweise hatte ich ein Fach, in dem um die Konzeption eines Onlineshops ging. Ich schlug meiner Gruppe vor, einen Online-shop für Fairbrush zu gestalten und sie waren einverstanden. In einem anderen Fach musste ich Pitches vorbereiten, in einem anderem hatte ich Projektmanagement und Budgetplanung. Alles Themen, die ich anschließend für mein Start-up anwenden konnte. Ja, so hat sich das ergeben (lacht).

Dein Know-how zur Unternehmensgründung hast du also im Studium gewonnen?
Ich hatte eine Vorlesung in Unternehmensführung an der HNU, die mir viel gebracht hat. Zusätzlich hatte ich ein paar Vorlesungen in Finnland. Aber ich glaube, Unternehmensführung lernt man nicht aus dem Buch. Am meisten habe ich gelernt, indem ich Sachen einfach gemacht habe und auf das, was passiert ist, reagiert habe.

Wie kamst du zu deinem Startkapital?
In Finnland habe ich an einem Wettbewerb teilgenommen. Das war eigentlich reiner Zufall. Ich habe für eine Vorlesung einen Pitch vorbereiten müssen. Zwei Wochen später habe ich dann eine E-Mail von der Hochschule über einen Wettbewerb bekommen, bei dem man seine Geschäftsidee vorstellen kann. Bei diesem Wettbewerb habe ich mich dann beworben und den ersten Preis gewonnen. Das Preisgeld habe ich in 1000 Zahnbürsten investiert. 500 davon habe ich gleich gespendet, die anderen 500 verkaufe ich aktuell.

Was war dein absolutes Highlight bis jetzt?
Also mein Highlight war auf jeden Fall die Spendentour mit zwei Freunden in Asien. Es war einfach unglaublich zu sehen, wie sich die Kinder über eine Zahnbürste gefreut haben. Sie haben sich über das Geschenk gefreut und darüber, dass wir da waren ihnen etwas beibrachten und uns für sie Zeit genommen haben. Daher ist es auch immer ein Highlight für mich, wenn eine neue Bestellung bei mir eingeht.

Wie bekommst du das alles mit dem Studium unter einen Hut? Zudem bist du Inhaber und der einzige Mitarbeiter von Fairbrush.
Also in der Vorbereitungsphase in Finnland habe ich sehr viel gemacht, aber dort hatte ich auch nicht viele Vorlesungen. Heute mit meinem Nebenjob ist es wirklich eng, weshalb ich gerade auch nicht viel Marketing betreibe. Aber sobald ich Semesterferien habe, möchte ich wieder mehr an Fairbrush arbeiten. Ich werde nach meiner Bachelorarbeit ganz normal Vollzeit bei einem Unternehmen arbeiten und Fairbrush nebenher betreiben. Dann mal schauen, was passiert. Eventuell möchte ich bald verschiedene Varianten der Fairbrush einführen, zum Beispiel verschiedene Farben.

Was wünscht du dir für die Zukunft?
Ich möchte von mir sagen können, dass ich etwas bewegt habe.

Deine Message an die HNU-Studenten?
Wenn ihr eine Start-up-Idee habt, dann tut es. Macht es einfach. Man lernt so viel dabei, und ihr habt nichts zu verlieren. Und macht euch bitte mehr Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit. Oft kann man auf kleine Dinge verzichten, zum Beispiel auf Flyer, die sowieso in die Mülltonne wandern. Wir sind die Generation, die etwas ändern muss und Nachhaltigkeit fängt bei einem Selbst an.

Ihr wollt mehr über die Fairbrush wissen?
Für mehr Infos: www.fairbrush.de

Neu-Ulm, 02.07.2018
Interview und Text: Lilly Meyer, Paula Gressmann

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Die HNU auf dem Weg zur Fairtrade-University

Nachhaltige Kosmetik im Rahmen des Vorstellungstages der studentischen Initiativen

MOVE-Infostand im Foyer der HNU

Das studentische Team „MOVE“ der Hochschule Neu-Ulm organisierte für den Infomarkt der studentischen Initiativen am 21. März eine Aktion rund um das Thema nachhaltige und faire Kosmetik. Um neben den Informationen über Zertifikate, Inhaltsstoffe und Tierversuche eine Selbsterfahrung zu ermöglichen, konnten Produktproben von Dr. Hauschka verteilt werden. Die nachhaltig produzierten Masken, Hand- und Körpercremes stießen bei den Studierenden auf großes Interesse.

Wer sich in deutschen Drogeriemärkten umsieht, wird es bemerkt haben: Kosmetik mit fair produzierten und nachhaltigen Inhaltsstoffen, die ohne Tierversuche hergestellt wird, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die Motive um auf sogenannte „grüne“ Kosmetik umzusteigen, können ganz unterschiedlich sein. Ein Beweggrund kann die Vermeidung von Verpackungsmüll sein, ein anderer die faire Produktion der Inhaltsstoffe oder die Vermeidung von Tierversuchen.

Täglich produzieren die Menschen weltweit große Mengen Müll, wovon ein nicht unbeträchtlicher Anteil auf Verpackungsmaterialien entfällt. Diese schwer abbaubaren Substanzen (Kunststoffe, Alufolie, beschichtete Papiere u. A.) werden oftmals unbedacht weggeworfen und gelangen insbesondere in Ländern, in denen keine bzw. eine unzureichende Müllentsorgung vorhanden ist, direkt in Meere und Ozeane, in denen sie sich zu schwimmenden Plastikmüllinseln formieren. Über die Nahrungskette gelangen die Materialien in den Organismus von Mensch und Tier. Ein Verzicht auf Verpackungsmaterial liegt deshalb nahe. Wer Verpackungsmüll vermeiden möchte, kann sich in spezialisierten Geschäften, zum Beispiel Original Unverpackt oder Lush, umschauen. Hier werden unverpackte Pflegeprodukte, wie Haarwaschseife und Körperbutter, angeboten. Ein kleiner Schritt mit Wirkung ist der Umstieg auf große Verpackungseinheiten bei häufig benutzen Lieblingsprodukten. So lässt sich ganz einfach der Plastikverbrauch verringern. Experimentierfreudige können auch selbst Shampoo herstellen, beispielsweise aus Roggenmehl.

Es gibt viele gute Gründe, um auf fair produzierte Inhaltsstoffe zu achten. Die Produzenten bekommen dadurch eine leistungsgerechte Bezahlung und beziehen ein stabileres Einkommen. Alle Erzeuger erhalten eine Fairtrade-Prämie, die in langfristige und gemeinnützige Projekte, wie zum Beispiel Bildung, investiert werden kann. Mit dem Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit kann Kindern der Schulbesuch und Frauen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden. Zudem profitieren die Arbeitskräfte von deutlich besseren Standards in Sachen Gesundheitsschutz. Der Kauf von Fairtrade-Produkten ist deshalb keine einmalige Spende, sondern leistet einen nachhaltigen Anteil zur Verbesserung der Lebensbedingungen. Zudem ist die Produktivität von Fairtrade-Kleinbauern meist höher und es entstehen weniger Reste und Ausschussprodukte.

Da „Naturkosmetik“ kein geschützter Begriff ist, kann man als Konsument leicht die Orientierung verlieren. Um Studierende auf ihrer Suche nach fairer Kosmetik zu unterstützen, konnte MOVE darüber aufklären, welche Siegel und Zertifikate welche Bedeutung haben und auf was Studierende beim Kauf von Kosmetik achten sollten.

Wer einen besonderen Wert auf Produkte legt, welche nicht an Tieren getestet wurden oder tierische Inhaltsstoffe beinhalten, der sollte beim Kauf auf das Zertifikat „VeganBlume“ achten. Das Zertifikat garantiert den Konsumenten, dass die damit ausgezeichneten Produkte ohne tierische Inhaltsstoffe und tierversuchsfrei sind. Das von der Vergan Society England vergebene Siegel kennzeichnet nicht nur Kosmetikprodukte, sondern auch vegane Lebensmittel.

Um das Fairtrade Logo verwenden zu dürfen, muss eine bestimmten Menge an Fairtrade-zertifizierten Rohstoffen enthalten sein. Bei „leave-on“ Produkten (z. B. Cremes und Make-up) müssen dies mindestens 5 Prozent der Inhaltsstoffe sein. Bei „wash-off“ Produkten (z. B. Duschgel und Shampoo) mindestens 2 Prozent. Die Berechnung erfolgt bei beiden Produktformen jeweils auf Grundlage aller Inhaltsstoffe inklusive Wasser.

Das MOVE Team bedankt sich herzlich bei denn`s Biomarkt Neu-Ulm, der 150 Kosmetikproben von Dr. Hauschka zur Verfügung stellte.


Ein Blick über den „Kaffeetassenrand“ hinaus – Die HNU im Rahmen der Bewerbung als Fairtrade University of Applied Sciences zu Gast auf dem Neu-Ulmer Weihnachtsmarkt mit Fairtrade-Kaffee

Kaffee-Blindverkostung auf dem Neu-Ulmer Weihnachtsmarkt 2017

Nachdem das Team „MOVE“ – bestehend aus engagierten Studierenden der Hochschule Neu-Ulm (HNU) – im März 2017 im Foyer der Hochschule eine Kaffeeblindverkostung durchgeführt hat, sollten im Rahmen des Weihnachtsmarktes in Neu-Ulm auch die BürgerInnen der Stadt darüber entscheiden dürfen, was besser schmeckt: fair gehandelter Kaffee oder konventioneller Markenkaffee? Hierzu wurde zusammen mit der Stadt Neu-Ulm eine Kaffeeblindverkostung auf dem Neu-Ulmer Weihnachtsmarkt durchgeführt. MOVE unterstützt mit dieser Aktion die HNU damit auf dem Weg die Zertifizierung „Fairtrade University“ zu erhalten. Bei der Verkostung wurden vier verschiedene Kaffeesorten zum Probieren angeboten. Neben der Kaffeeblindverkostung wurden am Stand zudem über die Organisation Transfair sowie über das Fairtrade-Siegel informiert, während parallel dazu die Stadt Neu-Ulm auf dem Rathausplatz offiziell als Fairtrade-Town ernannt wurde. Durch die Präsenz auf dem Weihnachtsmarkt sollte nicht nur das Bewusstsein für Fairtrade und fair gehandelte Produkte unter den Besuchern und Besucherinnen des Weihnachtsmarktes geweckt werden, sondern auch gezeigt werden, das fairer Kaffee richtig gut schmeckt.

Zur Verkostung wurden vier unterschiedliche Kaffees angeboten: zwei konventionelle Kaffee-Marken aus dem Supermarkt, eine Kaffeesorte basierte auf biologischem Anbau und eine fair produziert und vertriebene Kaffeesorte. Die Probanden durften am Weihnachtsmarktstand der Stadt Neu-Ulm jeden Kaffee probieren, wussten dabei jedoch nicht, welcher Kaffee ein fair gehandelter ist und welcher nicht.

Zur Bewertung des Geschmacks wurden den Probanden grüne und rote Chips zur Verfügung gestellt. Mit einem grünen Chip konnte Zustimmung und mit einem roten Chip Ablehnung ausgedrückt werden. Nach einer dreistündigen Testphase war die Stunde der Wahrheit gekommen. Die Ergebnisse sprachen für sich: Der faire Kaffee schnitt mit Abstand am besten ab, gefolgt vom Kaffee aus biologischem Anbau. Die konventionellen Kaffees belegten lediglich Platz drei und vier. Die Verkostung zeigt: Fairer Kaffee trifft also nicht nur den Geschmack der Studierenden der Hochschule Neu-Ulm, sondern auch den der Bürgerschaft.

Akkreditierungen und Zertifikate