Hochschulbibliothek Neu-Ulm

Urheberrecht

Die nachfolgende Frage-und-Antwort-Sammlung dient als Orientierung im Alltag. In der rechten Spalte finden Sie die gesetzliche Grundlage, d. h. die Links zu den Volltexten des Urheberrechtsgesetzes und des Kunsturhebergesetzes.

Grundlegendes

Was ist geschützt?

Geschützt sind „Werke“, d.h. persönliche geistige Schöpfungen. 

Darunter fallen Sprachwerke, wie Bücher, Aufsätze, Artikel, Reden, Vorlesungen, Klausuren, Hausarbeiten, Kommentare, Gedichte oder Liedtexte. 

Außerdem sind Computerprogramme, Musik, Lichtbildwerke, Filme und Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art wie Zeichnungen, Pläne, Karten, Skizzen, Tabellen oder plastische Darstellungen vom Urheberrecht umfasst. Der Schutz des Werkes entsteht mit seiner Schöpfung und endet 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers.

Wo kann man die Rechtsprechung nachlesen?

Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz)
Gesetz vom 09.09.1965 (BGBl. I,  S. 1273)
zuletzt geändert durch Art. 7 des Gesetzes zur Änderung des DesignG und weiterer Vorschriften des gewerblichen Rechtsschutzes vom 04.04.2016 (BGBl. I S. 558)

  • § 51 UrhG: Zitatrecht
  • § 52a UrhG: Öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung
  • § 52b UrhG: Wiedergabe von Werken an elektronischen Leseplätzen in öffentlichen Bibliotheken, Museen und Archiven
  • § 53 UrhG: Vervielfältigungen zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch

 

Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie, kurz: Kunsturheberrechtsgesetz (KUG)
Gesetz vom 09.01.1907 (BGBl. III, Gliederungsnummer 440-3)
zuletzt geändert durch Gesetz vom 16.02.2001 (BGBl. I S. 266)

  • § 22 KUG
Wann ist die Nutzung von Werken ohne Zustimmung des Urhebers möglich, d. h. gesetzlich erlaubt?
  • wenn Nutzungsrechte durch den Urheber allgemein übertragen wurden
    z.B. Creative Commons License, General Public License
    => immer unter Beachtung dessen, was eingeräumt wurde (Verwendung? Verbreitung? Angabe des Schöpfers?)
  • bei Rechtfertigung der Nutzungshandlung durch eine Urheberrechtsschranke
    (vgl. §§ 44a ff.  UrhG)
  • sofern das Werk gemeinfrei ist. Amtliche Werke (z.B. Gesetzen) sind gemeinfrei. Zudem sind Werke dann gemeinfrei, wenn die Schutzfrist abgelaufen ist (70 Jahre nach dem Tod des Urhebers)
Was sind Plagiate?

Unter Plagiaten versteht man den „geistigen Diebstahl, also vollständige oder teilweise Übernahme eines fremden literarischen, musikalischen, bildnerischen oder wissenschaftlichen Werkes in unveränderter oder nur unwesentlich geänderter Fassung unter Vorgabe eigener Urheberschaft“ (Lemma „Plagiat“ in Brockhaus Enzyklopädie online).

Man unterscheidet bei Plagiaten zwischen wissentlichen und unbewussten Plagiaten; das Urheberrecht kann jedoch in beiden Fällen gleichermaßen verletzt werden.

Um mögliche Konsequenzen wissenschaftlichen Fehlverhaltens an der Hochschule Neu-Ulm zu vermeiden, gibt es für das korrekte wissenschaftliche Arbeiten die „Richtlinie an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Neu-Ulm zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten“.

Wer ist für die Einhaltung des Urheberrechts verantwortlich?

Verantwortlich für den richtigen Umgang mit dem Urheberrecht ist immer derjenige, der auf geschützte Werke zurückgreift - nicht derjenige, der sie zur Verfügung stellt (z.B. Bibliothek).
=> Die Haftung liegt bei demjenigen, der das Urheberrecht verletzt

Was sind die Unterschiede zwischen privatem, eigenem und wissenschaftlichem Gebrauch?
  • Privater Gebrauch = Nutzung in der Privatsphäre zur Befriedigung rein persönlicher Bedürfnisse durch die eigene Person oder die mit ihr durch ein persönliches Band verbundenen Personen. Also alles, was sich im häuslichen Bereich oder im Freundeskreis abspielt. 
  • Sonstiger eigener Gebrauch = Der Begriff ist umfassender als der „private Gebrauch“ und schließt diesen ein. Anders als der private Gebrauch ist der eigene Gebrauch nicht auf die Befriedigung privater Bedürfnisse beschränkt, sondern kann auch zu beruflichen oder erwerbswirtschaftlichen Zwecken erfolgen.
  • Wissenschaftlicher Gebrauch = Nutzung im Rahmen einer wissenschaftlichen Tätigkeit, z.B. die Abfassung einer Hausarbeit

 

Gut zu wissen für Studierende

Darf man ein Kapitel oder einen Aufsatz aus einem Fachbuch bzw. einer Zeitschrift kopieren/scannen?
  • Zum privaten Gebrauch: einzelne Vervielfältigungen eines Werkes (digitale oder analoge Kopie möglich), sofern sie weder unmittelbar noch mittelbar Erwerbszwecken dienen, sind nach § 53 Abs. 1 UrhG (Privatkopieschranke) gestattet.
    Es gilt & 53 Abs. 6 UrhG zu beachten: Die Vervielfältigungen dürfen weder verbreitet noch zu öffentlichen Wiedergaben benutzt werden.
    Zudem ist das Recht zur Privatkopie auf natürliche Personen beschränkt.
  • Zum eigenen wissenschaftlichen Gebrauch: Es dürfen analoge und digitale Kopien angefertigt werden. Nach § 53 Abs. 2 Nr. 1 UrhG ist es entsprechend zulässig, "einzelne Vervielfältigungsstücke (ca 12%) eines Werkes herzustellen oder herstellen zu lassen [...] zum eigenen wissenschaftlichen Gebrauch, wenn und soweit die Vervielfältigung zu diesem Zweck geboten ist und sie keinem gewerblichen Zweck dient." Die Vervielfältigung ist dann geboten, wenn die wissenschaftliche Arbeit dies erfordert. Beispiel: lange Wartefristen, Beschränkung auf Präsenznutzung usw.
  • Zum sonstigen eigenen Gebrauch: Es ist zulässig einzelne Vervielfältigungsstücke eines Werkes herzustellen oder herstellen zu lassen, sofern es sich um kleine Teile eines erschienenen Werkes oder um einzelne Beiträge handelt, die in Zeitungen oder Zeitschriften erschienen sind, oder wenn es sich um ein seit mindestens zwei Jahren vergriffenes Werk handelt. Es darf lediglich eine analoge Nutzung stattfinden, also nur einfache Kopien angefertigt werden.
Ist es zulässig, ein Buch komplett zu vervielfältigen - im Sinne von Fotokopien?

Eine Kopie ist grundsätzlich dann zulässig, wenn der Kopierschutz nicht umgangen wird. Eine vollständige Kopie zum eigenen Gebrauch ist jedoch nur dann zulässig, wenn das Werk a) gemeinfrei ist (das heißt, dass der Autor z. B. seit mehr als 70 Jahren verstorben ist) oder wenn das Werk b) seit mehr als zwei Jahren im Buchhandel nicht mehr erhältlich oder bei dem Verlag käuflich zu erwerben ist. Anderenfalls ist eine "im wesentlichen vollständige" Kopie eines Werkes nicht zulässig. "Im wesentlichen vollständig" umfasst ca. 75% eines Werkes. Dies ist jedoch laut Rechtsprechung strittig. Möglich ist es jedoch, das Werk vollständig abzuschreiben oder abzutippen, vgl. § 53 Abs. 4 UrhG.

Darf ein E-Book komplett gespeichert bzw. ausgedruckt werden?

Das Herunterladen von E-Books funktioniert verlagsabhängig kapitelweise oder als Komplettdownload. Sofern ein Verlag keinen Link zum Komplettdownload eines E-Books anbietet, ist es nicht erlaubt, komplette E-Books bzw. große Teile davon herunterzuladen oder auszudrucken.

E-Books dürfen nicht – auch nicht in Teilen – auf elektronischem Weg oder ausgedruckt an Dritte weitergegeben werden.

Beachte: Ist ein E-Book mit einem Digitalen Rechte-Management (DRM) versehen, um das Ausdrucken, Kopieren oder Herunterladen der Bücher zu beschränken, darf dieser Schutzmechanismus nicht umgangen werden.

Darf ein externer Studierender oder externer Bibliothekskunde (sogenannter Walk-in-user) E-Books herunterladen?

Nein. Nur Hochschulangehörige dürfen E-Books (oder Teile davon) herunterladen. Alle anderen Personen können die E-Books an den stationären Rechnern der Bibliothek lesen und sich geringfügige Teile davon ausdrucken. Die elektronischen Daten dürfen die Bibliothek nicht verlassen.

Dürfen Bilder aus gedruckten Büchern, Zeitschriften oder E-Medien für die eigene Arbeit genutzt werden?

Fotos, Bilder und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützte Werke – egal, ob ganz oder nur in kleinen Ausschnitten, aus Büchern abgescannt oder nachgezeichnet: Sie dürfen nur im Rahmen des Zitiergebots gemäß § 51 UrhG oder mit Erlaubnis des Urhebers bzw. bei Personen mit Erlaubnis der abgebildeten Person veröffentlicht werden.
Zu den Einzelheiten vgl. § 51 UrhG

Sind Abschlussarbeiten urheberrechtlich geschützt?

Ja. Das bedeutet, dass niemand ohne die Zustimmung des Urhebers damit machen kann, was er will. Das gilt auch dann, wenn der Schöpfer für diese Arbeit (z. B. Hausarbeit, Bachelorarbeit) Hilfestellung vom Dozenten erhalten hat. Es handelt sich um keine Miturheberschaft des Dozenten.

 

Gut zu wissen für Lehrkräfte

Sie haben Fragen rund zum Thema Urheberrecht in der Lehre?

Sie finden zahlreiche Fallbeispiele und FAQs zu digitalen Materialien in Lehre und Studium auf unserer E-Learning-Plattform Moodle im Kurs „Urheberrecht in der Lehre“.

Sie haben Fragen zum Thema Elektronischer Semesterapparat?

Sie finden grundlegende Informationen sowie das elektronische ESA-Auftragsformular auf unserer Unterseite Elektronische Semesterapparate. Darüber hinaus sind zahlreiche Fallbeispiele und FAQs zum Elektronischen Semesterapparat im Moodle-Kurs „Urheberrecht in der Lehre“ dargestellt.

Akkreditierungen und Zertifikate