Forschung an der Hochschule Neu-Ulm (HNU)

Medikamentenmanagement afrikanischer Krankenhäuser

Projektbeschreibung

Das Forschungsprojekt „Medikamentenmanagement afrikanischer Krankenhäuser“ an der Fakultät Gesundheitsmanagement der Hochschule Neu-Ulm (HNU) verfolgt das Ziel, einen nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der Medikamentenversorgung afrikanischer Krankenhäuser zu leisten. Projektpartner ist das Nyakahanga Designated District Hospital im Nordwesten Tansanias. Dessen ärztlicher Direktor, Dr. Andrew Cesari, hat im Jahr 2010 am International Leadership Training (ILT) mit akademischer Weiterbildung an der Hochschule Neu-Ulm teilgenommen. Das Pilotprojekt hat im Oktober 2010 in Tansania begonnen und soll bis 2014 mit einem Gesamtbericht und einer Evaluierung abgeschlossen werden.

In der Untersuchungsphase führten Dr. Christa Gonnermann, die ehemalige Apothekenleiterin an der Universitätsklinik Ulm, und Kerstin Schultheiß, Dipl.-Betriebswirtin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt, eine Ist-Analyse durch. Anhand von Checklisten, Befragungen der Mitarbeiter und aktiver Teilnahme an den täglichen Abläufen wurden Lagerbedingungen, Lagerorganisation, Medikamentenbeschaffung und Prozesse der Arzneimittelabgabe an ambulante Patienten und Stationen überprüft und dokumentiert.

Die Untersuchung hat gezeigt, dass am Nyakahanga Designated District Hospital zeitweise bis zu 30 Prozent der nachgefragten Medikamenten nicht verfügbar sind. Während es zum „stock-out“ wichtiger Medikamenten kommt, verfallen weniger benötigte Medikamente. Die Ursachen reichen von geringer Lagerkapazität und -organisation sowie unvollständiger Dokumentation bis hin zu mangelnden Kenntnissen in der Materialwirtschaft und im Apothekenmanagement. Es fehlen aktuelle Informationen über Verbrauch, Mindestbestände und aktuelle Lagerbestände. Dadurch sind langfristige Planungen, Lagerbestandskontrollen, betriebswirtschaftliche Analysen und die Kalkulation der optimalen Bestellmenge nicht möglich. Alle Abläufe der Beschaffung, Arzneimittelabgabe und Lagerverwaltung werden manuell ausgeführt, was viel Zeit beansprucht und ein hohes Fehlerrisiko birgt.

Daraufhin wurden im weiteren Projektverlauf allgemeine Standards der Medikamentenversorgung ausgearbeitet, die auch ohne IT-Unterstützung möglich sind. Zusätzlich wurde eine IT-Anwendung für die Bereiche Lagermanagement, Beschaffungsmanagement, Distribution und Information entwickelt. Dazu gehört die Barcodetechnologie, mit der Zu- und Abgänge der Lagerbestände einheitlich und transparent dokumentiert werden können. Fehler durch Vertippen oder Verschreiben bei den Erfassungsvorgängen unterlaufen nicht mehr. Während der Entwicklung des Programms stand die Bedienerfreundlichkeit und die Einfachheit des Programms an erster Stelle.

In der Implementierungsphase wurden die Mitarbeiter der Apotheke in den Bereichen Lager-, Bestands- und Beschaffungsmanagement geschult. Die Barcodetechnologie wurde begeistert vom gesamten Team des Krankenhausmanagements angenommen und nach kurzer Einarbeitungs- und Trainingszeit war die Arbeit im Medikamentenlager mit dem Barcodescanner und den dazugehörigen Systemkomponenten möglich. Dieses computerbasierte System ist eine Ergänzung, jedoch (noch) kein Ersatz zu einer effektiven manuellen Lagerverwaltung in der Krankenhausapotheke.

Ergebnisse

Die aktuelle Situation der Krankenhausapotheke wurde analysiert und ausgehend davon konnten Empfehlungen für den Aufbau eines effektiven Medikamentenmanagements gemacht werden. Das Lager wurde gemeinsam mit den Mitarbeitern der Apotheke reorganisiert. Dadurch wurden die Prozesse entscheidend verbessert. Die Informationen über aktuelle Bestände, Verbrauchsauswertungen, Fehlbestände und Inventurdaten unterstützen die Mediziner in ihrer Verschreibungsroutine. Das Management nutzt die elektronischen Daten für betriebswirtschaftliche Auswertungen, die erheblich zum besseren Bestands- und Beschaffungsmanagement für Medikamente im Nyakahanga Designated District Hospital beitragen.

Ausblick

Krankenhausinformationssysteme spielen heute bereits eine wichtige Rolle für die Krankenhausverwaltung in Afrika und werden in den nächsten Jahren noch in weiteren Krankenhäusern zum Einsatz kommen. Jedoch ist die Barcodetechnologie für das Medikamentenmanagement im Leistungsumfang der in diesem Projekt untersuchten Krankenhausinformationssysteme nicht enthalten. Deshalb gilt es, bei der Gesamtevaluierung zu prüfen, inwiefern die Barcodetechnologie in Krankenhausinformationssysteme integriert werden kann.

Kontakt

Professor Dr.
Rainer Burk Zum Profil

emeritierter Professor
Projektleiter Drittmittelprojekte Afrika

Rainer.Burk.HNU@hs-neu-ulm.de
Phone:
0731/9762-1604
Büro:
Steubenstraße 17,A 110

Projektmitarbeiter

Dr. Andrew Cesari
Dr. Christa Gonnermann
Kerstin Schultheiß

Akkreditierungen und Zertifikate