Forschung an der Hochschule Neu-Ulm (HNU)

Effiziente IT im Krankenhaus (eKIT)

Projektbeschreibung

Das deutsche Gesundheitswesen setzt jedes Jahr etwas mehr als 10 Prozent des Bruttoinlandprodukts ein, um die Versorgung der Bevölkerung bestmöglich und dabei wirtschaftlich zu gewährleisten. Ein bedeutender Teil dieser Mittel fließt in die Informationstechnologie (IT) der Krankenhäuser.

Informationstechnologie ist heutzutage essentieller Bestandteil der medizinischen Versorgung. Durch IT können nicht nur Kosten gesenkt, sondern auch Fehlerquoten reduziert werden; neue Behandlungsmethoden verbreiten sich schneller. Der Einsatz von IT ist deshalb nicht nur aus finanziellen Gesichtspunkten, sondern auch hinsichtlich der Qualität der Patientenversorgung zu bewerten.

Auch wenn belastbare, objektiv erhobene quantitative Daten zum Einsatz der IT im Krankenhaus noch immer fehlen, so lassen doch Hinweise aus Gesprächen mit Ärztinnen und Ärzten und weiteren Fachexperten den Rückschluss zu, dass die Effizienz des Einsatzes der IT unzureichend ist. Dies scheint hauptsächlich an der ineffizienten Nutzung der Systeme zu liegen. Studien des Bundesverbands Gesundheits-IT (bvitg) unterstützen diese Hypothese: „Je näher eine IT-Lösung an den Point of Care rückt, desto geringer ist die Zufriedenheit der dort tätigen Anwender“ (VHitG – Verband der Hersteller für IT-Lösungen im Gesundheitswesen, 2010). So entstehen beispielsweise große Effizienzverluste durch Mehrfachdokumentation außerhalb des Systems und zeitaufwändige Datensuche. Der Grund dafür ist häufig, dass einzelne Anwender die zur Verfügung stehenden Systeme nicht oder nur teilweise einsetzen. Stattdessen weichen sie auf alternative Lösungen aus, Stichwort „Zettelwirtschaft“. Gesicherte Kenntnisse darüber, wie sich der Nutzungsgrad der Systeme und damit die Effizienz beeinflussen lässt, fehlen bis jetzt. Daraus ergibt sich die Fragestellung: Wenn die technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, warum werden sie nicht vollständig genutzt?

Das Projekt „Effiziente IT im Krankenhaus“ (eKIT) hat sich zum Ziel gesetzt, zur Beantwortung dieser Fragestellung beizutragen. Es will herausfinden, wie hoch der tatsächliche, objektive, Grad der Nutzung ist und welche Faktoren bestimmen, ob Kliniker (Ärzte, Pflegepersonal, Verwaltung) Systeme anwenden oder eben nicht. Dazu wird der Nutzer selbst in den Mittelpunkt der Forschung gestellt.

Zur Beantwortung der Fragestellung wird ein Instrumentarium zur Messung des Nutzungsgrades der Systeme und ein Rahmenwerk zur Steuerung und damit zur Erhöhung der Effizienz des IT-Einsatzes entwickelt und empirisch überprüft. Dazu wird eine Software entwickelt, die die Messung im realen Krankenhausbetrieb weitest möglich automatisiert durchführt. Anhand der Messergebnisse sollen dann auf Grundlage des Rahmenwerks Vorschläge zur Steuerung gegeben werden.

Die Rolle der IT-Systeme ist in diesem Forschungsprojekt somit nur die von „Arbeitsgeräten“. Im Mittelpunkt der Forschung stehen die Nutzer, deren Wahrnehmungen und das daraus resultierende Nutzungsverhalten.

Das Projekt wird von den Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU), dem Universitätsklinikum Tübingen (UKT) und der IBM Deutschland GmbH als beteiligte Projektpartner gefördert.

Ergebnisse

Erste Hypothesen wurden bereits gewonnen, belastbare Ergebnisse werden Ende 2013 erwartet.

Ausblick

Das Projekt eKIT soll nicht nur Einblick in die Motivation der Nutzer ermöglichen, es sollen daraus auch konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. Ziel ist es, ein Rahmenwerk zu schaffen, welches aufzeigt, inwieweit die Systemnutzung gesteigert werden kann und welche Maßnahmen dabei helfen.

Das Rahmenwerk soll in eine prototypische Anwendung portiert werden, um anhand definierter Messkriterien ein automatisiertes „Frühwarnsystem“ zu schaffen. Dieses soll ermöglichen, Handlungsbedarf frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen einzuleiten. So wird eine völlig neue Sichtweise auf den Nutzer und das Nutzungsverhalten möglich.

Ansprechpartner

Professor Dr.
Heiko Gewald Zum Profil

Forschungsprofessor für Informationsmanagement
Direktor am Institut für Dienstleistungsmanagement (CROSS)

Heiko.Gewald@hs-neu-ulm.de
Phone:
0731/9762-1521
Büro:
Hauptgebäude,EINS, 40 BÜRO

Akkreditierungen und Zertifikate