Forschung an der Hochschule Neu-Ulm (HNU)

Dynamik Truck Meeting (DTM)

Projektbeschreibung

Im Rahmen des Projekts „Dynamic Truck Meeting“ (DTM) wurde ein anbieterunabhängiger Prozessstandard für den Informationsaustausch und die Abwicklung von dynamischen Begegnungsverkehren mit Hilfe von Telematik- und Dispositionssystemen entwickelt.

Im Prozessmodell sind dabei alle Abläufe bis auf die Ebenen einzelner Prozessschritte standardisiert, die zur Durchführung eines (auch kurzfristig geplanten) Begegnungsverkehrs notwendig sind.

Abb1: Schematische Darstellung eines Begegnungsverkehrs

Beim Begegnungsverkehr treffen sich LKW in der Regel auf der Mitte ihrer Fahrtstrecke, tauschen ihre Auflieger mit Ladung aus und stellen diese in der Heimatregion zu. Der Prozess-Standard unterteilt sich grob in die Abschnitte Anbahnung, Detailplanung, Durchführung und Nachbereitung eines Begegnungsverkehrs. Das Abweichungsmanagement zur Behandlung von Störungen ist von Grund auf wesentlicher Bestandteil des Standards. Die Prozesse sind in der Unified Modeling Language (UML) modelliert.

Die Prozesse werden informationstechnisch unterstützt: Dazu werden Nachrichten elektronisch zwischen den verschiedenen Dispositions- und Telematiksystemen der am Begegnungsverkehr beteiligten Unternehmen verschickt. Alle dazu notwendigen Nachrichten sind im DTM-Schnittstellenstandard in Format und Inhalt bis auf einzelne Feldebenen in der Extensible Markup Language (XML) definiert. Auch hier sind gemäß dem Prozessmodell Nachrichten zur Abwicklung des Störungsmanagements vorgesehen.

Der anbieterunabhängig angelegte Prozess- und Schnittstellenstandard eröffnet insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen der Transportbranche die Möglichkeit, dynamische Begegnungsverkehre zu realisieren, die ohne den DTM-Standard an einem zu hohen individuellen Abstimmungsaufwand scheitern würden. IT-Systemanbieter sind auf Grundlage des Standards in der Lage, die Anforderungen der Transportbranche in Bezug auf Begegnungsverkehre gezielt umzusetzen.

Die Entwicklung des DTM-Standards fand in enger Zusammenarbeit mit zehn Unternehmen der Transport- und Telematikbranche in einem projektbegleitenden Ausschuss statt, wodurch gewährleistet wurde, dass die Forschungsergebnisse den Anforderungen der betrieblichen Praxis weitestmöglich Rechnung tragen.

Das Institut für „Logistik“ und Betriebsorganisation der Hochschule Ulm und das Kompetenzzentrum Logistik der Hochschule Neu-Ulm arbeiteten gemeinsam an diesem Forschungsprojekt, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Programm „Industrielle Gemeinschaftsforschung der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen“ (AiF) über die Bundesvereinigung für Logistik (BVL) gefördert wurde.

Ergebnisse

Der DTM-Prozess- und Schnittstellenstandard ist über den Anwendungsfall „Dynamische Begegnungsverkehre“ hinaus richtungsweisend für das Themengebiet „Unternehmensübergreifende kooperative Disposition“.

Die Projektberichte sind online verfügbar unter:

Band 1: http://digbib.ubka.uni-karlsruhe.de/volltexte/1000028213
Band 2: http://digbib.ubka.uni-karlsruhe.de/volltexte/1000028214

Ausblick

Es scheint durchaus realistisch, dass dieses Konzept im Rahmen von Verbänden bzw. Netzwerken (closed user groups) umgesetzt werden kann. Die vertraglichen und organisatorischen Rahmenbedingungen wären konkret zu implementieren das „Betreibermodell“ der IT-Komponente „Partnersuche“ muss geklärt werden. Am erfolgversprechendsten erscheint es, eine solche „Partnersuche“ netzwerkintern für die jeweiligen Netzwerkmitglieder bereitzustellen.

Schließlich bleibt das Thema „Zertifizierung“ der IT-Systeme in Bezug auf den DTM-Standard zu klären. Dies könnte mittels einer neutralen Zertifizierungsstelle realisiert werden, die insbesondere bestehende Schnittstellen von IT-Systemanbietern auf Kompatibilität in Bezug auf den DTM-Standard prüft, und ggf. eine gestufte Zertifikation ausstellt für „ready for DTM“, „minimum DTM conformity“ und „full DTM-conformity“. Die Forschungsstellen stehen interessierten Zertifizierungsanbietern für diesbezügliche Fragen gerne zur Verfügung.

Kontakt

Professor Dr.
Oliver Kunze Zum Profil

Professor für das Forschungs- und Lehrgebiet Betriebswirtschaftlehre mit Schwerpunkt Ressourcenrisikomanagement

Oliver.Kunze@hs-neu-ulm.de
Phone:
0731/9762-1418
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Akkreditierungen und Zertifikate