Forschung an der Hochschule Neu-Ulm (HNU)

Kartellbedingte Preiseffekte in der deutschen Mühlenbranche

Projektbeschreibung

Das Bundeskartellamt verhängte Geldbußen gegen Unternehmen der Mühlenindustrie im Markt für Weichweizen und Roggenmehl in Deutschland, da von 2001 bis 2008 rechtswidrige Absprachen getroffen wurden. Hierbei handelt es sich um Absprachen zu Preiserhöhungen, Liefermengen, Kundenzuordnungen sowie um koordinierte Stilllegungen bzw. Verweigerung der Inbetriebnahme von Mühlen.

Die preiserhöhenden Wirkungen werden von den Mitgliedsunternehmen der Private Mills e.V. bestritten. Bei Private Mills e.V. produzieren die Mitglieder an 13 Standorten in Deutschland. Die Gesamtvermahlung aller Betriebe der Mitglieder liegt bei zirka 1.500.000 Tonnen pro Jahr. Mittels einer ökonomischen Analyse sollte herausgefunden werden, ob aus dem Verstoß eine kartellbedingte Preiserhöhung resultierte.

Da es sich in dem Kartell um einen untypischen Fall hinsichtlich der Anzahl der Beteiligten handelte, wurde überprüft, ob das Kartell funktionsfähig war. Im Rahmen der Studie wurden qualitative Experteninterviews mit Verbands- und Unternehmensvertretern geführt. Die generelle Funktionsweise des Mühlenmarktes wurde eruiert und signifikante Einflussfaktoren (z.B. Entwicklung der Kosten für Getreide, Energie etc.) auf die Preisbildung bestimmt. Hieraus wurde die Datenbasis für eine quantitative Schadensschätzung abgeleitet. Die Preis- und Renditedaten wurden zur Hypothesenbildung genutzt. Sowohl die qualitativen Experteninterviews als auch die quantitativen Daten wurden auf Plausibilität/Face Validity überprüft. 

Ergebnisse

Der Mühlenmarkt ist ein regionaler Markt, dessen Größe sich, je nach Produkt, auf einen Umkreis von 100 Kilometer bis zirka 400 Kilometer erstreckt. Die Kunden haben eine ausreichend große Anzahl an Lieferanten, aus denen sie auswählen können.

Entscheidende Parameter der Wettbewerbsfähigkeit einer Mühle sind die Nähe zu Rohstoffproduzenten, eine »State-of-Art« Ausstattung der Mühlen bzw. gute Kostenstruktur sowie die Nähe zum Kunden. Auf dem Absatzmarkt existieren die beiden Kundengruppen »Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH)« und die »Großkunden«.

Die Struktur der Absatzmärkte und die Transparenz des Mühlenmarktes sowie seines Beschaffungsmarktes machen eine materielle Durchsetzung von Vereinbarungen über Preise und Konditionen seitens der Mühlen schwierig. Mit Großkunden werden die Mehlpreise für einen längeren Zeitraum festgelegt. Aufgrund der Verhandlungsmacht der industriellen Großkunden wird davon ausgegangen, dass die Kunden bei sinkenden Getreidepreisen während der Laufzeit des Kontrakts Preiszugeständnisse der Mühlen einfordern werden. Zudem werden die Kunden bei steigenden Getreidepreisen auf Kontrakttreue setzen. Zwischen dem Index des Preises des Rohstoffs Getreide und dem Index des Mehlpreises zeigt sich ein starker positiver Zusammenhang. Das Marktverhalten weist auf einen stagnierenden Markt hin, in dem Wachstum nur mittels Verdrängung anderer Marktteilnehmer möglich ist.

Hieraus resultiert ein funktionierender Wettbewerb. Weiter wurde die Entwicklung von Preisen und Renditen aus den Jahren vor und nach dem Kartell (vor 2001 und nach 2008) analysiert, welche zur Einschätzung der Trends vor dem Kartellverstoß sowie für die Beurteilung der Wirksamkeit von Absprachen bedeutsam sind. Letztlich war das Kartell nicht erfolgreich im Sinne einer Steigerung von Preisen und Renditen. Ein ökonomischer Schaden existiert nicht, höchstens marginal. Kartellwidrige Absprachen wurden zwar getroffen, aufgrund der Transparenz des Marktes, der asymmetrischen Verhandlungsmacht zwischen Mühlen und Kunden sowie weiterer Faktoren konnten sie nicht erfolgreich implementiert werden. 

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